Fähren und Schiffahrt der Oberelbe in Sachsen und Böhmen


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Fähre Belgern - Ottersitz WF Km 140,5

Fähren Dommitzsch - Riesa

Fähre Belgern Ottersitz km 140,5


Schon in früher Zeit unterschied man an dieser Stelle, zwischen der großen (Floß) einer kleinen (Kahn) Fähre. Von denen sich die Große oberhalb der ehemaligen Feldmeisterei,die andere sich an der Stelle befand, wo beide jetzt vereinigt sind.
Ursprünglich gehörten die Fähren der reichen Familie von Ilburg an, welche die Gebrüder Günter und Hans von Radestock damit beliehen hatten.
Diese wiederum verkauften die Fähren 1342 an das Closter Buch.
1474 lieh das Closter die halbe Fähre dem Fährmann Wenzel auf Lebenszeit und mit der Bedingung,dass niemand in des Abts Gerichten befugt sein solle, weder auf Schiffen noch Kähnen auf der Elbe überzusetzen.
Von diesem Wenzel scheint die Fähre nur an Privatpersonen übergegangen zu sein. Denn es wird 1526 ein Blasius Götze genannt, der durch vielfache Klagen und durch Vermittlung des Buch`schen Sequesters von Kitscher vom Rath und der Gemeinde hier das Zugeständnis erhielt, das man ihm statt bisher 4 Pf. fortan 6 Pf. für einen Wagen überzusetzen geben wolle.
Gegen 1572 übergaben die Fährleute einem gewissen Beamten , den sie Ewr. Gestrengen (vermutlich den Amtshauptmann Haugwitz) ein Verzeichniß ihres Einkommens , das ich der Merkwürdigkeit halber hier erwähne möchte :

Alden-Belgern giebt aus jeglichem Hofe einen Groschen,ein Gärtner 6 PF. Und so eine Wirtschaft oder Hochzeit im Dorfe wird, giebet man daraus 1 Braten,1 Hochzeitsbrod und vor 1 gr. Bier desgleichen zu Cosdorf,Leiendorf und Brottewitz,Belgern giebt jeder ein jeglicher Bürger ,Wirth oder Hausgenoß, der einen besonderen Tisch hält, jährlich 4 Pf. Nehmlich auf Johanni 2 und 2 auf Weihnachten, ingl.auf eine Hochzeit 1 Braten 1 Hochzeitsbrod und vor 1 gr. Bier. Vor ein Wagen, so er in einem Tage hin- und herfährt, giebt ein jeder 6 Pf., wenn er über Nacht ausbleibt , giebt er abermals 6 Pf.
.


Im Fall aber, da eine Eisfahrt wäre oder ein großes Wasser, daß man mit einem Schrick nicht gründen kann, soll und muß ein jeder, er sei zu Roß oder zu Fuß, dieserhalben mit den Fährleuten sich sonderlich vertragen und ihnen ihre Mühe vergnügen.
Von dem Amt Torgau erhält man jährlich ½ Malter Korn, Belgerisch Maas, welches vormals das Closter Nimptschen gegeben, Kötten, Kaukliitz, Göllitzsch und Korgitzsch, Katewitz Ottersitz, Tauschwitz, Wichtewitz, Wenzendorf, Pakisch, Stehla, Mahitzschen, Gölsa, Adelwitz, Arzberg, Neussen, Puschwitz und Döbeltitz waren auch zinspflichtig.
Unter diesen Privatleuten waren die Fähren in ziemlich schlechten Zustand gerathen, weshalb sie gegen 1590 der Rath an sich brachte, doch 1605 mir Ausnahme der Kahnfähre wieder an Simon Mietzsch und Stephan Zeller pro 600 fl. Verkaufte.
1699 nach einer Hochwasserflut, wurde die große Fähre aus der kleinen Aue in die Gegend hinter der Cavillerie verlegt.
1765 hatte man zwar die Absicht, die große Fähre nach dem Schloß- oder Ercknitzbach zu verlegen, doch kam sie nicht zur Ausführung.
Endlich verstand sich 1776 der hiesige Bergverwalter den sogenannten Elbbergweg, der in einem schmalen Pfade bestand und zur Kahnfähre führet, durch Einrückung des Weinbergzaunes um 2 Ellen zu erweitern und nachdem sich der Fährmann Görentz mit dem Rittergutsbesitzer v. Kirchbach auf Tauschwitz wegen der jenseitigen Anfahrtsstelle geeinigt hatte, wurde die große Fähre mit der kleinen bei der Untermühle vereinigt.
1874 erkaufte der Rath die große Fähre von Carl Gottfried Görentz pro 700 Thlr. Wieder, seitdem sie zeitweise in Pacht gegeben wird.
Das Fährgeld wird nach dem unterm 21. März 1841 Allerhöchsten Orts festgestellten Tarife erhoben.

Quelle: Carl Norbert Bertram und Bruder Gustav Hermann Bertram
1860


Das nebenan stehende Dokument ist ein Schreiben eines Commitierten (Beauftragten) des Scharfrichters Johann Samuel Hoitingen von Strehla an den bestallten Königlich Sächsischen Amtmann Christoph Heinrich von Leipziger (er war königlich sächsischer und polnisch kurfürstlich sächsischer Stallmeister in Torgau und Rittergutsbesitzer auf Mahla bei Torgau).
Mit diesem Schreiben legte er ein Protokoll de ao (außerordentliches) von 1569 vor, aus welchen sein Besitzanspruch an der Fähre Belgern hervorging.


Quelle: St. A. Leipzig Bestand 20597 Stadt Belgern Nr.1613 S. 2 u.2b




Nebenan stehendes Dokument ist eine Ausschreibung des Stadtrates Belgern vom 2. Martii (lat. März) 1776


zum vergrößern bitte anklicken



Wir der Rath zu Belgern, uns entschlößen unsere kleine Kahn Fehre oder

oder der Überfahrth über die Elbe
von Ostern 1776 bis Ostern 1779

also auf drey nacheinander folgende Jahre zu verpachten, hierzu auch den noch ff künftigen
neunzehnden Martii pro Termino Licitions erneuert, Zehst wird solches hierdurch
bekannt gemacht. Und können diejenigen so bei uns ansässigen von guten ..... und Glauben, behut
samkeit auch hinlänglicher Geschicklichkeit sind, die Überfahrt über die Elbe bey großem Wassers
Fluthen, Wind, Stürmen und Eisfahrthen zu dirigieren und zu verrichten inmaßen Wir
diejenigen so nicht aufsäßig und die von uns erforderlichen Gerechtigkeiten nicht besitzen
zum Litision nicht admittion werden, in abbestimmten Termino von Uns außer Rath
hause, an ordentlicher Raths und Gerichts solle des Vormittags von 9 bis 12 Uhr erscheinen
in Licitum mündlich vorbringen, und nach daßen Erfolg der Schließung einer Pacht
Contracts mit den unseren angedachten Vorschriften und Bedingungen ein Gnügen
leisten, ungleichen die Pacht Gelder bey Zutritt in den Pacht Jahres Ostern 1776, 1777,
1778 auf ein ganzes Jahr pranuneri kam gegenwärtig zu seyn.
Hernach sich also zu achten. Datum, Belgern 2. Martii 1776

Affigiret auf dem Rathaus Der Rath zu Belgern
zu Belgern am 5. Martii
1776 welches anher notiert Johann Michael Röllich
Johann Christian Kommich



Quelle: St.A. Leipzig Bestand 20597 Stadt Belgern Nr. 1613 S.10

Die Wagenfähre Belgern um 1915

Postkarte: Sammlung K.Stein Dresden

Die Wagenfähre Belgern um 1934


Postkarte: Sammlung K.Stein Dresden

Die Motorschaluppe "Belgora".


©Fotosammlung Rüdiger Paul
2014 an ABz Bernburg übergeben.




Ehemalige Motorfähre "Roland" im Hafen Belgern.
Eigentümer unbekannt.

Foto: K.Stein Dresden

Die Wagenfähre Belgern 2007

Foto: K.Stein Dresden

Im Bereich der Fähre Belgern ist interessant zu sehen,dass es im Jahr 1925 den Hafen noch nicht gegeben hat.Recht deutlich war die empfohlene Fahrstrecke zu erkennen.

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