Fähren und Schiffahrt der Oberelbe in Sachsen und Böhmen


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Fähre Laubegast – Hosterwitz (Gasthaus zur Schanze) Km 45,5

Fähren Tolkewitz - Cunnersdorf


Fähre Laubegast - Hosterwitz (Schanze) Km 45,493

erste Erwähnung 1501
Eingestellt 1992



In einem Lehnbrief der Familie von Carlowitz von 1501 lesen wir, dass der Fährmann von Laubegast:

„ 3 Groschen, 2 Hühner von einer wissen“ Zins gebe¹.
Die von Carlowitz verkauften das Dorf Laubigast im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts an die Herren von Bünau auf Weesenstein in deren Händen es blieb bis 1772 blieb.
1690 bereits unter der Herrschaft von Weesenstein musste der Fährmann 6 Tl.Pacht für die Fähre zahlen.
Die Laubegaster Fähre , in der Mitte zwischen den Gleidseinnahmestellen Pirna und Dresden gelegen, erhielt im Dreißigjährigen Krieg mehr an Bedeutung durch Fuhrleute die diese wohl eher als Schleiffähre nutzen.
Mit Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 sollte wieder Ordnung geschaffen werden. Es wurde wieder einmal die Abschaffung der Schleiffähren angeordnet ²
Auf Kurfürstlichen Befehl waren nur die Hoffuhren zugelassen. Das hielt die Fuhrleute aus Böhmen und dem Osten des Landes nicht ab Ihre Tuche, Stoffe Vieh und Sandsteine in Laubegast über die Elbe setzen zu lassen. Ärger mit den Zollbereutern gab es fast täglich.
Um diesen Konflikten aus dem Wege zu gehen versuchten die Loschwitzer und Laubegaster Fährleute eine Gleidsstation in Ihre Orte zu bekommen. 1708,1729,1735 versuchten beide Fährleute um Zulassung ihrer Fähre als Hauptfähre zu erhalten. Jedoch erst 1739 erscheint eine Akte in der ihnen die Einnahme von Brückenzoll, Niederlage, Wagenpfennig und Geleite erlaubt wurde³.
In einer Akte von 1650 wird berichtet, dass der Fährmeister Georg Zeibig der Sohn des Fährmeisters Peter Zeibig angibt :

ein altes Document von 1548 darthue das seine Fähre eine uhralte Erbfähre und keine Schleiffähre sei 5.

50 Taler Strafe wurden angedroht wenn sich Bootsbesitzer, in der Regel waren das Schiffmüller, Fischer oder Bauern, anmaßten herrenloses Gesindel mit und ohne Waren über den Fluß zu setzen. Verwalter, Schösser, Räte und Richter wurden angewiesen alle Schleiffähren und Kähne abzuschaffen.
Das Fährregal oblag dem Fiskus und nur dieser konnte eine Conzession erteilen4.

Der erste urkundliche Erwähnung eines Fährmeisters Jakob Haugk erfolgt mit einem Kauf der Fähre am 8.April 1578 durch die Erben des Hans Müller vor (Otto Mötzsch 1928). Das Gericht zu Weesenstein confirmierte den Verkauf und belehnte den Käufer4.
Zur Fähre gehörte ein Fährhaus. Im Schatzungs-und Landsteuerregister des Rittergutes Weesenstein ist vermerkt, daß:

der Fährmeister 1622 ein Haus und ein Stück Acker mit 30 Schock Groschen Schatzung 22 Groschen 6 Pfennige Steuer 4.

Nach 1705 ging die Fähre in den Besitz der Familie Wirthgen über die diese über hundert Jahre bewirtschafteten.
Als die Schweden und Polen 1707 abrückten erholte sich das Land und der Handel begann seine alten Wege zu nutzen.
In einem Schreiben vom 4.Juni 1708 bat Fährmeister Andreas Wirthgen darum die Fuhrwerke mit Sandstein aus den Liebethaler Brüchen übersetzen zu dürfen, was ihm auch genehmigt wurde 5.
Nach dem Unglück bei der Loschwitzer Fähre am 5.Januar 1722 bei dem 54 Personen ertrunken und 19 Personen geretet werden konnten:
erließen das Kursächsische Geleitsamt und der Rat zu Dresden eine "Specifikation der Taxa und Einkunft bey der Fehre zu Laubegast".
Wie auch der Fährmann der Loschwitzer Fähre mußte auch Wirthgen den Eid mit folgenden Wortlaut schwören :

Ich Andreas Wirthgen schwere zu Gott, daß ich dem Churfürtslich Sächsischen Gleithe und E.E Raths Brückenzoll zum Schaden und Nachteil weder Wagen, Pferde, Vieh, Crahmwagen noch andere Sachen, sie haben Nahmen wie sie wollen, uff der Fehre oder Kahn überführen, noch dergleichen anderen zu thun gestatten, mit dem geordneten Fehrgeld vergnüget seyn und ein mehres nicht sondern, auch sonst deme, was mir befohlen, jederzeit nachleben und solches nicht unterlassen will, umb einiger Ursache willen alß mir Gott helffe und Jesum Christum, unsern Herrn ! "

Auch nach der Postordnung vom 27. Juli 1713 (§§ 9 und 11) mußten sich die Fährleute richten, dort wurde festgelegt, daß:

" Fährleute an den Strömen und Flüssen haben die Posten bey Tag und Nacht unentgeldlich und ohne den geringsten Verzug vor jedem anderen Fuhrwerke überzusetzen ".

Streit hatte Wirthgen mit dem Amtsverwalter Christian Kluge in Pillnitz nicht selten. Wie immer geht es um das Fährgeld der Fahrzeuge des Kammergutes. So beschwert sich Wirthgen am 28 November über dem Amtsverwalter Kluge der
am Fährgeld abzieht 6.



¹ H.St.A. Loc.7997
² H.St.A. Loc.39925 Fin.Acta.
³ H.St.A. Loc. 35342
4 H.St.A. Loc. 39947 Rep.XV Pirna Nr.33
5 H.St.A. Loc. 39947, S 38
6 H.St.A. Loc 34977



Diese Streitigkeiten mögen der Grund gewesen sein, daß Wirthgen die Fähre am 7. November für 5000 Taler zum Kauf anbot.
Ein Verkauf kam jedoch nicht zustande vermutlich deshalb verpachtete Wirthgen die Fähre am 11. April 1744 an einen George Höhngen für jährlich 200 Taler¹.

Die Fähre blieb bis 1754 in seinem Besitz danach trat er diese an seinen Sohn Johann Gottlieb Wirthgen ab. Andreas Wirthgen bleibt jedoch Beigleitseinnehmer an dieser Fähre².
Am 13 Mai 1780 beschwert sich Anna Rosine Wirthgen die jetzige Besitzerin, über die Pillnitzer Fähre. Die Pontoniere dieser Fähre nahmen ihrer Fähre die Kundschaft zu ihrem Nachteil ab. Es ist wie schon in der Vergangenheit ein seit Jahrzehnten andauernder Streit³.
Erst im Jahr 1806 wurde der nächsten Besitzerin Christiane Wirthgen durch ein Spezial-Reskript vom 29.August 1806 Recht gegen die Beeinträchtigung ihres Fährrechts durch die Kgl. Pontoniers-Mannschaft, als auch durch Fähren zu Hosterwitz und Niederpoyritz geschützt. Ein zweites Reskript vom 8. Januar 1809 wiederholt diese Schutzbestimmung für diese Fähre4.
Gottfried Leuteritz war von 1804 bis 1808 der nächste Besitzer bis Ende des Jahres 1808 ein Herr Müller diese Fähre übernahm5.
Gewiß keine kluge Entscheidung, denn französische, polnische und sächsische Truppen hinterließen bei ihrem Durchmarsch nicht nur Chaos. Ab Kriegsbeginn 1809 war für die Fähre der Ruin angebrochen.
Der Schiffsherr H.Raffs aus Pirna kaufte die Fähre 1810 für 5000 Taler und verkaufte sie weiter an seinen Schwager Nicolai das Fährgut blieb in seinem Besitz, Nicolai konnte es aber als Pächter nutzen6.
Auch Raff lag zwischen 1814 und 1825 ständig mit der fliegenden Fähre in Pillnitz im Streit. Wohl deshalb verkaufte er 1833 an Johann Samuel Bär. Bär war nun nicht nur Fährmeister sondern auch Beigleitseinnehmer in Laubegast 7.



¹ H.St.A. Loc. 39947 S.61
² Fin.Arch. Loc. 37731 Rep. XLIII Dresden Nr. 205
³ H.St.A. Loc. 39946 S. 73 Renthrey-Acta
4 H.St.A. Loc. 31628 S. 1f
5 H.St.A. Ratsarchiv G. XXIV Nr. 10
6 H.St.A. Loc. 31628 S.45
7 Fin.Archiv. Hauptzollamt Dresden I. Rep.LXII

1842 erscheint hier ein Fürchtegott Wilhelm Adam als Fährmeister. Ihm wurde die Verpflichtung auferlegt, mit seiner Fähre den Dienst in Pillnitz zu übernehmen, wenn diese aus welchen Gründen auch immer, nicht im Betrieb ist.
Friedrich August Mildner ist 1850 der Fährmeister. Am 12. Oktober dieses Jahres kauft er vom Hausbesitzer Karl Koch ein Stück Land für 50 Taler und baut darauf das Fährhaus Laubegast.
Bisher wurde die Fähre mit Staken oder Segel betrieben. Am 27. Juni 1856 erteilt das Finanzministerium die Genehmigung zum Betrieb einer Gierfähre.
Friedrich Wilhelm Hesse kaufte die Fähre 1897 von der Familie Mildner. Von 1906 bis 1908 wurde die Fähre von den Erben des Friedrich Wilhelm Hesse bewirtschaftet.
Der Kaufmann Richard Hesse ist seit 1908 der Besitzer der Fähre. Nach dessen Tod am 21.01.1930 wird Otto Hesse der Besitzer.
Walter Hesse übernahm die Fähre 1945 von seinem am 27.11.1945 gestorbenen Vater Otto Hesse.
Im Februar 1959 wurde die Fähre von den Verkehrsbetrieben der Stadt Dresden übernommen. Walter Hesse blieb als Fährmeister bis zu seinem Tod 1983. Der letzte Fährmeister an dieser Stelle war bis zur Stillegung 1992 Gerd Füssel ¹.


¹ Archiv Wasserstraßenamt Dresden






An Fährgefäßen waren folgende Fahrzeuge vorhanden:

Eigent. W.Hesse Laubegast

Dampffähre
"Germania"

Baujahr/Ort 1888 in Übigau Bau.Nr. 225 D
Leistung 13 PSi
Diese Fähre kam 1905 zu Carl Richard Andrae nach Pirna Copitz und 1906 zu Martin Hache nach Krippen.


Dampffähre
"Wachwitz-Tolkewitz"
erbaut für W.Hesse Laubegast
Baujahr/Ort 1888 in Übigau Bau Nr. 220 D
Leistung 4 PSi

Dampffähre
"Laubegast"
Baujahr/Ort 1899 in Laubegast Bau Nr. 387 D
Leistung 35 PSi
Zugel.f. 19 t.
Das Fahrzeug wurde ab 2/1918 an Koch u.Zwickel Cuxhafen abgegeben.Danach bekam das Fahrzeug mehrere andere Namen (Sturmvogel, Altmark u. Grete) und noch viel mehr Eigentümer. Wahrscheinlich ließ Wilhelm Partow Dömitz das Fahrzeug 1934 motorisieren. 1938 war der Eigentümer H.A.Meyer in Hamburg.

Fährdampfer
"Johanna" Paß Nr. (11 M 71 - 88 alt) 15 M 21 -72 neu
Erbaut f. Ernst Richard Hesse ab Mai 1933 Otto Richard Hesse ab 1940? Otto Walter Hesse. Ab 1974 Verkehrsbetriebe Dresden.
Eichbezeichnung E.Dn.108v.08.1950
Baujahr/Ort 1912 Übigau
Bauart Stahl m.runder Kimm u.Flachkiel
Zugel.f. 80 Personen
Antriebsmasch. Kolbendampf
Typ 2 stuf. Expansion
Leistung 50 PS bei 280 U/min
Umbau v.Dampf auf Diesel 1964/65


Motorfähre
"Walter-Rolf"
erbaut für Richard Hesse Laubegast
Baujahr/Ort 1928 in Postelwitz
Leistung 45 PSe
Zugel. f. 78 Personen
Das Fahrzeug kam im April 1943 zur Organisation Todt und wurde im Schwarzen Meer eingesetzt.

Gierseilfähre
"Roland" Paß Nr. (11 M 81 - 87 alt) 15 M 32 - 73 neu
Eichbezeichnung E.Dn .397 v. 15.04.1958
Baujahr/Ort 1946 Übigau
Bauart Stahl m.Holzboden
Zugel. f. 345 Personen

1952 war hier noch eine zweite Wagenfähre im Bestand mit der Nummer 11 M 81 - 89
sowie eine Motorfähre
"Laubegast" mit Benzinmotor und der Nummer 11 M 71 - 90 im Bestand.

Motorfähre
"Laubegast" Paß Nr. 15 M 21-211
Baujahr/Ort 1968 in Laubegast Bau Nr. 143
Leistung 37,5 PSe
Zugel.f. 45 Personen





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Die Katamarangierfähre Laubegast um 1900

Postkarte: Sammlung K.Stein Dresden

Die Fährstelle Laubegast um 1910 mit der Dampffähre "Laubegast". Im Hintergrund die Dampfschiffanlegestelle der SBDG.

Postkarte: Sammlung K.Stein Dresden

Ansichtskarte mit einer Luftaufnahme dieser Fährstelle um 1920


Postkarte: Sammlung K. Stein Dresden

Die Fährstelle Laubegast um 1910 mit der Dampffähre "Laubegast".

Postkarte: Sammlung K.Stein Dresden

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