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Fähren Dommitzsch - Riesa
Ehemalige Fähre Groitzsch-Kollau

Für diese ehemalige Fährstelle gilt was für alle, auch die noch bestehenden Fährstellen gilt, sie sind viel älter als wir Nachweise darüber haben.
Ausgenommen die heute noch bestehende Fährstelle Dehnitz, sie dürfte die Jüngste unter den Fährstellen in dieser Region sein.

Eines hatte jedoch alle Fährstellen, zu kämpfen mit dem Neid der benachbarten Fährstellen und nicht selten beanspruchten auch andere Rittergutsbesitzer die Fährstellen.
Der unten stehende Bericht ist die Folge eines solchen Versuches, sich das Fährrecht anzueignen. In diesem Fall jedoch ohne Erfolg.
Eine weitere Episode aus diesem Bericht zeigt, dass auch wenn man in einem "Fährhaus" lebt, ist man nicht auch Betreiber einer Fähranstalt. Dem Beamtemschimmel entgeht nichts
auch wenn es oft Jahre oder Jahrzehnte dauert bis die Wahrheit ans Licht kommt.


Die Übertragung des nebenstehenden Textes
aus dem altdeutschen lautet:


Diesem Bericht legt die Dominia Polizeibehörde ein Fascicel
aus dem Actenstück a.o.(des laufenden Jahres) 1722 bei.

Eur. Hochwohlgeboren beehren wir uns unter
Berufung auf den Inhalt der beiden anlie
genden Actenstücke gehorsamst vorzutragen.
                               1.
Der Guthsherrschaft zu Thallwitz ist das
Recht verliehen worden:
eine Fähre über die Mulde zu Collau zu halten
und das verkaufte Vieh und Victualien damit
darauf übersetzen zu laßen, überhaupt aber zu
Verkehr mit den über der Mulde gelegenen
Wiesen und Holzungen des Guthes Thall
witz.
                Blatt 18 Act. F
                                2.
Nach einem Vergleiche vom 14 ten December
1770 ist dem Ritterguthe Groitz, Lohsa, Collmen und Böhlitz esp. Lotha und
Püchau freie Überfahrt von dem Berech
tigten zugestanden worden.
                 Blatt 28.39 Act.
                           3.
Seit ihr ältesten Zeit und bis jetzt ist
eine Fähre und ein Kahn gehalten, ein Fähr
                                      mann


Quelle: Landesarchiv Sachsen Anhalt Rep. C 48 I C Nr.1643
Die Übertragung des nebenstehenden Textes
aus dem altdeutschen lautet:

mann angestellt und .......von
diesemaber schon seit 1741 auf Per
sonen mit ihrem Kahne gegen Lohn
übergefahren worden.
           Blatt 1a
               4.

Das nächste Haus an der Fährstelle
in Collau wird gewöhnlich das
             Fährhaus genannt
und ist lange Zeit hindurch von den
Fährleuten und fischern von Collau
seiner zusehenden Lage wegen bewohnt
worden. Der jetzige Besitzer prä
dentiert obwohl nicht er als Fährmann
sondern ein Anderer von der Guths
herrschaft angenommen worden ist
ein Überfahrtsrecht mit dem Kahn
und hat derselbe unserer Verbote
ohngerecht fortgesetzt ohne sich le
gitimieren zu können.
           Blatt 5  FascicelO

Seine Behauptungen gehören auf der
..........., und in wiefern derselbe
eine Gewerbepolizei und Steuercon
trivention begangen hat Müller
............. Bestrafung wie gehorsamst
anheim:
Andererseits soll auch der Fährmann
Ermer für Bezahlung einen Fremden
übergesetzt haben.



Quelle: Landesarchiv Sachsen Anhalt Rep. C 48 I C Nr.1643

Die Übertragung des nebenstehenden Textes
aus dem altdeutschen lautet:


Von der Guthsherrschaft aber ist auf Ver
pflichtung des Ermer angetragen und
für denselben eine Dienstinstruction unter
worfen worden.
Unter diesen Umständen ersuchen wir
Eur. Hochwohlgeboren uns zu bescheiden
ob die lediglich zum Wirtschaftszweck vorhanden
ne Fähranstalt, auf welche sich zu gleichen
Zweck die benachbarten Rittergüther die
Überfahrt zugestanden haben, den landes
polizeilichen Bestimmungen uch unterworfen
werden muß, oder ob dies nur der Fall sein
würde, wenn eine öffentliche Überfahrts
stelle damit verbunden sein soll, was der
nach den Acten und schon um des Willen nicht
aber der Fall sein kann, weil kein freier Weg
zur Fähre vorhanden ist.

                           die Dominial Polizei Behörde



An
den Königl. Preuss. Landrath
und Rittm. Herrn von Pfannenberg
         Hochwohlgeborener
                   zu
           Delitzsch


Quelle: Landesarchiv Sachsen Anhalt Rep. C 48 I C Nr.1643
Mit dem Foto nebenan erhielt ich von Herrn Dieter Mosig aus Thallwitz folgenden Text:

    
Dieses Foto erhielt der Heimatverein Thallwitz von der Familie W. Rantzsch aus Kollau,
mit folgendem Text versehen:
„1941 hatte das Frühjahrshochwasser die Fähre losgerissen. In Gruna war sie angelandet.
Von dort wurde sie mit einem Rollwagen wieder nach Kollau bis auf den Muldendamm gebracht.
Bis 1945 hatte man es nicht fertig gebracht, sie wieder ins Wasser zu lassen. Nach 1945 machten die Kollauer Feuerholz daraus.“

Danke Fam. Rantzsch und auch Herr Mosig
          Vermerk betr. der Fähre bei Collau


1.  Das Dominium Thallwitz hat seit unendlichen Zeiten
   zur Kommunikation mit seinen diesseits und jenseits
   der Mulde belegenen Grundstücken eine Fähre gehal
   ten.   Außer der Fähre ist auch ein Fährkahn ge
   halten worden, auf welchem Personen gegen Ent
   geld übergesetzt worden sind.

2.  Zum Fährmann ist der jeweilige Besitzer eines
   zu dem Dorfe Collau gehörigen, des an der Mulde   
   gelegene Hauses bestellt worden, welches dadurch den
   Namen "Fährhaus" erhalten hat.
   Dieser Umstand hat im Laufe der Zeit die Besitzer
   des Fährhauses zu der Meinung veranlaßt, daß die
   Fährgerechtigkeit auf ihrem Hause ruht.

3. Seit den Jahren um 1840 haben infolgedessen Streitigkeiten
   zwischen dem Dominium Thallwitz und dem Fähr
   hausbesitzer bzgl. der Fährgerechtigkeit stattgefunden.
   Die mit dem Landrat in Delitzsch geführten Ver
   handlungen ergaben, daß ein Recht zur Ausübung
   der Überfahrt nicht weder von der einen noch von
   der anderen Partei nachzuweisen werden konnte.

4. Durch Berichte an den Herrn Finanzminister vom
   1. Juli 1841 wird diesseits beantragt dem Dominium
   Thallwitz die nachgesuchte Concessioin zum Betrieb
   der Fähre zu erwirken.



Quelle: Landesarchiv Sachsen Anhalt Rep. C 48 I C Nr.1643   




Die Übertragung des nebenstehenden Textes
aus dem altdeutschen lautet:


5.  Erlaß des Finanzministeriums vom 9.7.1841
    Die Erteilung der Konzession an das Rittergut
    Thallwitz wird abgelehnt. Die Fähre soll dage
    gen mit Rücksicht auf da Verkehrsbedürf
    nis verpachtet werden.
      
6.  Das Rittergut Thallwitz lehnt die verpachtung
    ab, weil es die Berechtigung, den Fährkahn zu
    halten, rechtsverjährten Besitz bereits
    erworben hat und weil der zu der
    Überfahrt führende Weg kein öffent
    licher, sondern ein über die demselben Be
    sitzer gehörenden Collauer Rittergutsfelder führenden
    Privatweg sei.
      ( Bericht des Landrats vom 9. Febr.1842)

7.  Bericht an Gh. Finanz. Minister vom 21. Aug.
    1843.
    Da der zur Fähre führende Weg kein
    öffentlicher ist, muß von der Konzessi
    onierung der Fähre Abstand genommen wer
    de. Es wird daher nur die Konzessio
    nierung eine Kahnüberfahrt beantragt.

8.  Durch Erlaß vom 19.9.1843 soll die Erteilung
    der Konzession für eine Kahnüberfahrt an
    das Dominium Thallwitz noch ausgesetzt wurde
                                                                bis


Quelle: Landesarchiv Sachsen Anhalt Rep. C 48 I C Nr.1643
Die Übertragung des nebenstehenden Textes
aus dem altdeutschen lautet:


   bis der zwischen dem Dominium und dem Besitzer
   des Fährhauses anhängige Prozeß entschieden sei.
   (Vergl. Verfügung vom 30.9.43 - No.18841)

9.  Bericht des Landrats vom 14.9.1852
    
    Anzeige, daß ein Prozeß nicht angestregt
    werden soll.
    Der Fährhausbesitzer hat erneut das Recht
    zur Kahnüberfahrt geltend gemacht.     
        Vorschlag, es beim Alten zu belassen und
    dem Dominium Thallwitz das Übersetzen von
    Personen gegen freiwilliges Entgeld zu
    gestatten.

10. Nach der an den Landrat gerichteten Verfüg. v. 20.XI.1852 hat
    die Regierung eine Entscheidung über den
    Rechtsstreit abgelehnt. Da es sich um Geltendma
    chung von Ratsansprüchen handeln, sind die
    streitenden Teile an die ordentlichen Gerichte ver
    wiesen worden.

11.Über das Ergebnis des streitigen Rechtsstreits
   ist in den Akten nichts enthalten.

12.Im Wegeverzeichnis für den Regier. Bezirk sind
   die zu der Fähre in Collau führenden Wege
   nicht enthalten.
   


Quelle: Landesarchiv Sachsen Anhalt Rep. C 48 I C Nr.1643
Laut den mir vorliegenden Akten ist der Fährbetrieb im August 1907
eingestellt worden.
Was natürlich nicht bedeutet, dass nicht auch danach noch Personen
oder Güter übergesetzt wurden.
Insbesondere in den Kriegsjahren 1936- 1945, und sicher auch danach wurde die
noch vorhande Fähre genutzt.
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